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  • AutorenbildLady Addison

Findom – ein missverstandener Fetisch

Financial Domination ist einer von vielen Fetischen. Zu fast jedem Fetisch findet man genügend Informationen online. Aber der Geldfetisch ist ein heisses Eisen, welches niemand so richtig anfassen möchte. Selbst in der BDSM-Szene wird FinDom oft abgelehnt oder ist zumindest mit sehr grossen Vorurteilen behaftet. Als klassische Domina ist Geldsklaverei nicht meine Haupttätigkeit. Und ich kenne auch niemanden, bei dem das so ist, dafür ist diese Szene zu volatil. Es ist vielmehr ein Fetisch von vielen, die ich mit einigen meiner Subs und Sklaven zelebriere.


 Weil ich in letzter Zeit oft Unwahrheiten über FinDom gelesen hatte, wollte ich schon längst einen Blog-Artikel darüber schreiben. Wie es das Schicksal so wollte, hat mich dann vor den Feiertagen die Redaktion von «20 Minuten» angefragt für ein Interview zum Thema FinDom. In einem News-Artikel ist es natürlich nicht möglich, diesen Fetisch umfassend zu beleuchten. Deswegen hoffe ich, mit den folgenden Inhalten etwas mehr Klarheit zu schaffen.



Was ist FinDom?

Der Name setzt sich zusammen aus Financial Domination. Also die Dominierung bzw. Machtausübung über das Portemonnaie. Es gibt viele verschiedene FinDom-Formen und auch Kombinationen mit FemDom, also der Female Domination, der Machtausübung einer Frau über einen Mann. Die Geschlechterrollen sind jedenfalls meistens so verteilt. Ganz simpel könnte man sagen: Der Mann findet Gefallen daran, einer dominanten Dame Geld oder Geschenke zu geben für vermeintlich «Nichts». Ich sage vermeintlich, weil es eben nicht nichts ist! Er bekommt etwas als Gegenleistung. Ein gutes Gefühl, das Abenteuer, die Flucht vor dem öden Alltag.

 

Wer steht auf FinDom?

FinSubs sind wie alle anderen Subs oder Sklaven sehr unterschiedlich. Alle Gesellschaftsschichten sind vertreten. Zumindest konnte ich bisher kein Psychogramm eines Geldsklaven zusammenstellen. Das Einzige, was man verbindend nennen kann, ist eben die Zahlgeilheit. Die Herrin zu beschenken oder ihr einen Betrag zu Füssen zu legen, macht den FinSub glücklich. Einmalig oder immer wieder.

 

Welche Vorurteile gibt es?

Beim Geld-Fetisch hört die Toleranz sogar in der BDSM-Szene meistens auf. Viele denken, dass eine Geldherrin ihren Geldsklaven ausnutzt. Und natürlich gibt es Schwarze Schafe – wie überall. Grundsätzlich ist es aber einfach einer von vielen Fetischen. Geld ist halt immer noch das grösste Tabu in unserer Gesellschaft. Ich kann jemandem erzählen, dass ich einen Mann auspeitsche oder ihm Nadeln durch den Penis steche. Dann verstehen das die Leute und sagen: «OK, ist nicht meins, aber wer’s braucht, soll das halt machen.» Bei FinDom ist man empört aufgrund unseres kapitalistischen Denkens. Dass Männer den finanziellen Schmerz geil finden, können sich die meisten Menschen nicht vorstellen. Interessant, oder?

 

Wie funktioniert Geldsklaverei?

Bei mir stellen sich die Sklaven in der Regel über einen meiner Social-Media-Accounts oder per E-Mail vor und bitten mich, aufgenommen zu werden. Sie erzählen etwas über sich und sagen mir, was sie suchen. Dann gibt es entweder ein reales Treffen für eine sogenannte Melkung oder alles passiert online. Bei realen Treffen sind oft noch erniedrigende Elemente dabei. Manchmal bekomme ich auch einen Gutschein einfach so zugeschickt. Das erachte ich aber weniger als FinDom, sondern als Zeichen der Verehrung.

 

Was erwarten die Geldsklaven?

Im klassischen FinDom gibt es keine Gegenleistung im Sinne einer Dienstleistung. Ein Mann kommt jedoch in den Genuss meiner Aufmerksamkeit und meiner Zeit. Wenn wir uns treffen, ohrfeige ich ihn vielleicht oder er darf meine Schuhe ablecken und mir als Aschenbecher dienen. Online darf er zum Beispiel per Skype mit mir sprechen, während ich ihn «melke». Erniedrigung kann also, muss aber nicht eine Rolle spielen. Ich möchte betonen, dass hier alles einvernehmlich abläuft! Ich erpresse niemanden und ich spreche niemanden aktiv auf FinDom an. Das ist mir wichtig. Es ist deshalb kein Ausnutzen, wie viele glauben. Und die Geldsklaven, die ich bisher hatte, sind sich sehr wohl ihrer Grenzen bewusst. Natürlich gibt es auch negative Beispiele beim Thema FinDom. Aber so ist es doch bei vielen Dingen. Nur weil einige Spieler unfair spielen, sollte nicht das ganze Spiel verboten werden oder als missbräuchlich abgetan werden.

 

Worin liegt die Befriedigung, der Reiz für die Geldsklaven?

Einige stehen wirklich nur auf den Kick, einer Herrin Geld «für nichts» zu überreichen. Es ist das Machtgefälle, das sie kickt. Die Geldsklaven, die ich bisher kennenlernte, sind nicht ständig in Melklaune. Es ist ein Gefühl, das in ihnen hochkommt, welches sie gerne in diesem Moment befriedigen wollen. Und dann kommt das Gefühl vielleicht lange nicht mehr wieder. Einige meiner Sklaven haben eine enge Bindung zu mir. Sie sind mit mir regelmässig in Kontakt und zollen mir Tribut als Dank dafür, dass ich ihre Herrin bin. Ich gebe ihnen einen Sinn im Leben und Halt im Alltag. Natürlich verwischen sich hier die Grenzen mit Femdom (Female Domination). Man kann das nicht immer ganz klar abgrenzen. Die Zahlungen, die sogenannten «Tribute», sind historisch gesehen eine Abgabe oder Steuer. Der Tribut wurde zum Zeichen der Unterwerfung oder der Vasallentreue geleistet. In der Regel handelte es sich um regelmäßige Geld- oder Sachleistungen, die nicht nur ökonomisch bedeutsam waren, sondern auch die Machtverhältnisse zum Ausdruck brachten.

 


 


 

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