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FinDom - Financial Domination: Ist das nicht Abzocke?

  • Autorenbild: Lady Addison
    Lady Addison
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Vor zwei Jahren habe ich dem News-Portal "20 Minuten" ein Interview gegeben zum Thema Geld-Fetisch. Ich gebe es zu, ich hatte mir damals gut überlegt, ob ich als seriöse und professionelle Domina überhaupt mit dem verpönten Geld-Fetisch so prominent in Verbindung gebracht werden wollte. Doch am Ende ging es mir darum, die Öffentlichkeit aufzuklären und mit Klischees aufzuräumen.

Obwohl die BDSM-Szene sich als tolerant versteht, ist sie es genau bei diesem Thema nicht. Geldherrinnen seien Abzockerinnen und würden sowieso alles nur wegen Geld machen. Nicht wegen des BDSM-Lifestyles oder der vielbesagten Leidenschaft. Heute würde ich dazu Kink-Shaming sagen, also das Abwerten eines fremden Fetisches oder Kink (not my kink). Wieso wird der Masochist, der sich von einer Sadistin blutig schlagen lässt, in der Szene als normal angesehen, aber der Geldsklave, der seiner Herrin "einfach so" Geld gibt, ist angeblich. ein armes Opfer? Das erschliesst sich mir nicht. Hat es nie, wird es nie. Der Schmerz, die intensive Erfahrung (eben der Kink) sieht doch für jeden Menschen anders aus. Es gibt - zum Glück - sehr viele Facetten, wie man BDSM ausleben kann. Und solange alles einvernehmlich geschieht, braucht sich niemand aufzuregen. Das vermeintliche arme "Opfer" weiss sehr wohl, was es tut. Das ist zumindest meine Erfahrung. Ich habe in meinen 10 Jahren, in denen ich als Domina tätig bin, noch nie einen FinSub bzw. Geldsklaven getroffen, der in finanzielle Abgründe gestürzt wurde wegen seines Fetisches. Es ist vielleicht am ehesten vergleichbar mit dem Gang ins Casino. Man ist sich bewusst, dass man Geld verlieren könnte, aber der Nervenkitzel ist es wert.


Ist Findom (der Geldfetisch) also Abzocke? Oder geht es einfach um das letzte grosse Tabuthema, nachdem Sex keines mehr ist?


In jeder Branche gibt es schwarze Schafe. Auch bei Dominas gibt es seriöse und unseriöse. Klar. Es ist daher die Aufgabe jedes einzelnen Subs oder Sklaven, seine Hausaufgaben selbst zu erledigen und im Vorfeld Informationen über seine vielleicht zukünftige Herrin zu sammeln. Wie tritt sie online auf? Wirkt sie seriös? Gibt es eine Webpage? Und dann hat jeder seinen freien Willen, sich für eine Dame zu entscheiden. Letztendlich kann man niemanden dazu zwingen, sich zu unterwerfen. Auch mit Hypnose nicht. Was nicht schon in deinem Herzen brennt, kann ich nicht entzünden.

Das grosse Tabu: Geld! Das noch grössere Tabus: Geldfetisch!

Beim Thema Geld ist die Gesellschaft eben doch noch viel empfindlicher als wir annehmen könnten. Sex ist allgegenwärtig. Wir sind es uns gewöhnt, nackte Körper zu sehen. Im Überfluss. Sadomasochismus war früher als perverse Krankheit gebrandmarkt, heute ist es ein Lifestyle, den niemand mehr sonderlich in Frage stellt - trotz Doppelmoral, weil man sich dann doch nicht öffentlich zu seinen Neigungen bekennen würde. Aber Geld - uff - das ist etwas ganz anderes. Das eigene Gehalt im Freundeskreis zu nennen, gilt in den meisten Kreisen noch als Tabu. Mag sein, dass die jüngere Generation hier offener ist. Aber grundsätzlich wollen wir uns nicht so genau in die Karten schauen lassen. Ein älterer, wohlhabender Mann und seine 20 Jahre jüngere Freundin? Verwerflich! Sie will sicher nur sein Geld. Wo wir doch schon seit Beginn der Menschheit Beziehungen transaktional eingegangen sind. Der Mann gibt zum Beispiel Sicherheit und Wohlstand, die Frau gibt Schönheit und Nachwuchs. Selbst bei der ganz normalen Partnerwahl geht es schliesslich immer darum: Was habe ich zu bieten und was hat mein Partner zu bieten? Selbst wenn es sehr nüchtern klingt, ist es schon so, dass jeder etwas in die Waagschale legt, was der andere irgendwie aufwiegen muss. Sonst kommt das Paar nicht zusammen. Um wieder auf den Geldfetisch zurückzukommen: Der Geldfetisch ist keine Abzocke. Denn Geldsklaverei oder FinDom passiert freiwillig (über illegale Machenschaften müssen wir ja nicht diskutieren). Und der Geldsklave bekommt sehr wohl eine Art Gegenleistung. Sein Fetisch - der Schmerz übers Portemonnaie, die Erniedrigung - ist dadurch real erlebbar. Er möchte diesen Fetisch genau so ausleben wie andere vielleicht ihren Latex-Fetisch oder die Keuschhaltung mit einem Peniskäfig. Doch als Gesellschaft sind wir so sehr in moralischen Konstrukten verhaftet, dass wir anderen unser Verständnis von richtig oder falsch überstülpen wollen.


Spass auf beiden Seiten - bei der Geldherrin und beim Geldsklaven

Wenn ich den Geldfetisch - oder besser gesagt Financial Domination - mit einem Sub oder Sklaven auslebe, habe ich Spass. Er auch. Auch wenn sich viele Menschen nicht vorstellen können, was daran Spass machen kann, sein Geld einer Herrin abzugeben. Aber man sollte sich vielleicht nicht von reisserischen Berichten täuschen lassen. In den allermeisten Fällen spielt sich der Geldfetisch in kleineren Beträgen ab. Und wenn es um Vernunft geht, könnte man sich auch fragen, ob es denn viel intelligenter ist, regelmässig viel Geld für Zigaretten oder Alkohol auszugeben. Der Geldfetisch ist keine Abzocke, solange beide Seiten einvernehmlich damit umgehen.

 
 
 

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